Von "Mitläufern" und "Scharfmachern"

Von "Mitläufern" und "Scharfmachern"

21 Feb

Verbrechen üben eine seltsame Faszination aus, sie erlauben den Blick in den Abgrund und vermitteln Fernsehzuschauern oder Lesern die Gewißheit ihrer Wohlanständigkeit. Sogar die Verbrechen des Faschismus, in populären TV-Dokumentationen in Endlosschleife wiederholt, erscheinen in diesem Licht als Neuauflage einer modernen Moritat im Dienste von Quote oder Auflage. Schauen wir genauer hin, auf das Bremer Pogrom 1938:

Im letzten November untersuchte die szenische Lesung “Ganz normale Männer” den Marsch von 80 Männern, die 1938 das Ehepaar Goldberg in Lesum ermordeten. Wie entstand nach 1933 aus dem “gewöhnlichen” der mörderische Antisemitismus? Ging die fortwährende Radikalisierung vom "Führer", den großen oder den kleinen Funktionären aus? Was trugen "ganz normale Leute" dazu bei?

Achim Saur hat die Bremer Akten für das Geschichtskontor studiert. “Vom Pult” versucht er eine Interpretation und stellt Erklärungsansätze der Historiker dar. Die Originalprotokolle aus den Polizeiermittlungen nach 1945 liefern den Spielern ihren Text. In szenischer Lesung rücken die Akteure von 1938 den Zuschauern auf den Leib, zeigen sich im Zwielicht von Biederkeit und Mordlust. Unterbrochen vom kommentierenden Vortrag, der das Geschehen aus der Zeit zu verstehen sucht. Und damit die entscheidende Frage stellt: Wie hätten wir gehandelt, wären wir in dieser Zeit aufgewachsen?

Kulturhaus Walle, 20:00, Eintritt frei - Pay as much you can

Eine Veranstaltung in Kooperation mit "Erinnern für die Zukunft",
Tag des Gedenkens an die Opfer der Nationalsozialismus